Gedanken zum Tode einer Person, die mir Nahe gestanden hat
Gedanken zum Tode einer Person, die mir Nahe gestanden hat
Wir telefonierten täglich. Sie war alt, aber sie hatte Pläne.
Sie hatte sich mit ihrem Leben und Sterben auseinandergesetzt. Ihre Schwester fand einen Ordner vor, in dem sie alle wichtigen Entscheidungen vorweggenommen hatte.
Sogar die Lieder, die bei ihrer Beerdigung gesungen werden sollten, hatte sie festgelegt. Mir kommt immer wieder ein Bild in den Sinn, das ich 1985 malte:
Alter Autist trägt sein Schicksal. Heute sehe ich dieses Bild als ein Sinnbild an und möchte diesem Bild eine neue verallgemeinernde Unterschrift geben.
Der Lebensrucksack
Jeder Mensch, den wir betrauern, hat einen schweren Rucksack zu tragen gehabt. Der Rucksack dessen Inhalt von Leben gefüllt wurde, bewegte die Person so,
dass man annehmen könnte:
Der Mensch wird immer kleiner, bevor ihn die Last auf die Erde fallen lässt. Meinen eigenen Rucksack trage ich an manchen Tagen als enthielte er schwere Steine.
Die Person, um die ich gegenwärtig Trauer, hat ihren schweren Lebensrucksack mit Würde getragen.
Sie verdient Respekt und Menschen, die sie nicht vergessen.
Ich vergesse dich nicht, liebe G.
Ein Mensch, gebeugt von der Last des Lebens der sich nach ewiger Ruhe sehnt.
