Über das Briefe schreiben - 15.04.26
Mein Vater war ein Briefeschreiber. Bis ins hohe Alter schrieb er lange Briefe mit der Hand.
Seine Briefe wurden stets mit schönen Briefmarken versehen und er brachte sie eigenhändig zur Post. Was Vaters Briefe bewirkten, erfuhr ich nach seinem Tode aus zahlreichen Kondolenzbriefen. Ich bin in Vaters Fußstapfen getreten, schrieb ich kürzlich jemandem, der Geburtstag hatte. Ich wusste schon lange, dass das Schreiben von Briefen eine hohe Kunst ist. Vater sammelte Briefliteratur. Das Regal mit weltberühmten Briefen hängt immer noch an dem Platz, den Vater dafür ausgesucht hatte.
Ich selbst habe in meinem langen Leben viele Briefe geschrieben, und auch viele Briefe bekommen. Ich wechselte u.a. Briefe mit Freunden, die ähnlich behindert sind wie ich.
Diesen Briefwechsel zu veröffentlichen, scheiterte daran, dass die Betroffenen Angst hatten vor der Veröffentlichung ihres Namens.
Einen Brief möchte ich als Beispiel anfügen:
Hier die Briefe von einem Freund, der unerkannt bleiben möchten.
Lieber Dietmar
Lange habe ich über das Thema Freundschaft nachgedacht.
Wie Du bin ich der Meinung, dass Freundschaft unter Uns Autisten möglich ist.
Ich denke wir beide sind der beste Beweis hierfür.
Auch ich bin der Meinung, dass Autisten untereinander emotional Anteil nehmen können. In einer Phase, in der es mir gar nicht so gut ging hast Du mir einfach geschrieben und hast Dich von meinen Pessimistischen Gedanken nicht abwimmeln lassen.
Hartnäckig bist Du drangeblieben und hast mir Mut
Zugesprochen.
Der Tod Deines Vaters und Bruders haben mich damals
Schwer mitgenommen.
Wenn ich Dir einen Brief schreibe, warte ich immer
Sehnsüchtig auf eine Antwort.
Ich möchte unsere Freundschaft nicht missen.
Ich denke wir beide sind der beste Beweis hierfür.
Auch ich bin der Meinung, dass Autisten untereinander emotional Anteil nehmen können. In einer Phase, in der es mir gar nicht so gut ging hast Du mir einfach geschrieben und hast Dich von meinen Pessimistischen Gedanken nicht abwimmeln lassen.
Hartnäckig bist Du drangeblieben und hast mir Mut
Zugesprochen.
Der Tod Deines Vaters und Bruders haben mich damals
Schwer mitgenommen.
Wenn ich Dir einen Brief schreibe, warte ich immer
Sehnsüchtig auf eine Antwort.
Ich möchte unsere Freundschaft nicht missen.
Lieber Dietmar
Dass du kein Therapeut bist, weiß ich auch,
aber ich nenne alle Menschen so,
die in meiner schweren Zeit zu mir gehalten haben.
Freunde sind in gewisser Weise auch Therapeuten.
Für uns Nichtsprechende sieht es mit richtigen
Therapeuten ohnehin schlecht aus...