Wie ich Musik, die mein ganzes Leben begleitet hat, plötzlich nicht mehr ertragen konnte - 02.09.26
Ganz schwache Erinnerungen habe ich an die Zeit, als meine Mutter mich mit Musikbegleitung zum Laufen bringen wollte. Wenn ich mich nicht irre, benutzte Mutter eine
Schallplatte mit einer Verjazzten Musik von Bach.
Im Esszimmer der damaligen Wohnung hielt Mutter mich fest, sodass wir uns an eine Wand lehnen konnten. Nun bewegte sie mich nach der Musik
auf die gegenüberliegende Wand zu, bis ich die Wand greifen konnte.
Ich weiß nicht mehr, wie lange und wie oft am Tag wir uns auf diese Weise abmühten.
Auf jeden fall hat es lange gedauert, bis Mutter mich etwa einen Meter vor der Wand loslassen konnte und ich allein die Wand erreichte. Als ich drei Jahre alt war,
hatte ich gelernt wenige Schritte ohne Hilfe zu machen.
Aber zurück zur Musik.
Die begleitende Musik - da bin ich heute sicher- breitete sich in meiner Muskulatur aus,
sodass ich willkürliche Bewegungen ausführen konnte.
Nun gab es in meinem Erwachsenenleben, das stets von klassischer Musik umgeben war, einen gewaltigen Einschnitt. Die Trauer um Vater und Bruder und vielen anderen Personen
die mir Nahe gewesen waren, überschwemmte mein zentrales Nervensystem,
sodass die Musik sich gar nicht mehr bis in meine Extremitäten ausbreiten konnte.
Früher konnte ich mich kaum sichtbar mit den Füßen im Tackt der Musik bewegen.
Das ging nun nicht mehr, und ich verzichtete mehr und mehr darauf, meine Lieblingsmusik anzuhören.
Am 2.September dieses Jahres, habe ich mir bewusst gemacht,
dass Vater seit vier Jahren nicht mehr Lebt und Gernot ihm ein Jahr später folgte.
Mutter machte den Versuch, alte CDs, die ich früher sehr geliebt hatte aufzulegen.
Und siehe da:
Mutter machte den Versuch, alte CDs, die ich früher sehr geliebt hatte aufzulegen.
Und siehe da:
Ich genoss die Musik.
Als nächstes will ich es aushalten, Musik von der Band anzuhören, bei der Gernot für die Percussion zuständig war. Ich hoffe, dass es mir gelingt,
meinen Willen so zu aktivieren, wie es mir vor vielen Jahren beziehungsweise
Jahrzehnten, schon einmal möglich war.
meinen Willen so zu aktivieren, wie es mir vor vielen Jahren beziehungsweise
Jahrzehnten, schon einmal möglich war.